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Casestudy – Warum eine Finanzierung notwendig sein kann

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8. September 2020

Warum Finanzierung von Anfang an Thema sein sollte: Erklärung und Casestudy

Gerade Seller-Anfänger sehen die langfristige Finanzierungsfrage häufig eher als unwichtig an. Immerhin wurde ja eine größere Summe Eigenkapital für die Beschaffung der ersten Produkte bereitgestellt – und das ist schließlich das Wichtigste. Ist das Produktsortiment allerdings erst einmal positioniert und die Kundenzahl nimmt stetig zu, reduziert sich der Lagerbestand rapide und Neubestellungen stehen an. Können diese nicht durch den Umsatz der bisher verkauften Waren finanziert werden, entsteht ein Cashflow-Problem. Der daraus resultierende fehlende Restock-Lagerbestand führt zudem nicht nur zu Umsatzverlusten während der Zeit, in der keine Waren verkauft werden können, sondern auch zu einem schlechteren Ranking der Produkte aufgrund der Tatsache, das man out-of-stock ging. Zusätzlich steigert die Konkurrenz während des out-of-stock-events ihre Umsätze, rankt besser und erschwert den erneuten Einstieg für den Seller. Daher ist es gerade für Anfänger empfehlenswert, sich von Beginn an mit den verschiedenen Optionen der Finanzierungslösungen auseinanderzusetzen.

Casestudy: Out-of-stock-event durch Cashflow-Problem

Das Kapital für die erste Bestellung wurde fest eingeplant und in die erste Produktorder investiert. Nach Lieferung steigen die Verkaufszahlen des Produkts und es muss zügig nachbestellt werden, um einem nahenden out-of-stock-event vorzubeugen. Die erste Re-Order muss dann finanziert werden, bevor ausreichend Cashflow aus den bestehenden Produkten generiert werden konnte.

Durchgerechnet an einem Praxisbeispiel wird die Problematik deutlich ersichtlich. Während des Produktsourcings haben sich Zelte als geeignetes Verkaufsprodukt herausgestellt. Gestartet wird mit einem Eigenkapital von 5000 Euro.

1. Das Startkapital von 5000 Euro wird vollständig in Produkte investiert.
2. Davon können 800 Zelte (6,22 pro Einheit) finanziert werden.
3. Die Lieferzeit für die Zelte beträgt standardmäßig etwa 3 Monate.
4. Bei einem durchschnittlichen Verkauf von 134 Einheiten/ Monat hat der gesamte Bestand einen Verkaufszyklus von 6 Monaten.
5. Amazon benötigt bis zu 4 Wochen, um die aus Ihren Verkäufen erzielten Einnahmen auszuzahlen.
6. Die prognostizierten Verkäufe verdoppeln sich, sobald das Produkt etabliert ist.
7. Die Verkäufe steigen, eine Re-Order steht an aber der bis dahin ausgezahlte Umsatz ist noch zu gering. Es entsteht ein Cashflow-Problem.

Vorteile einer Warenvorfinanzierung:

Mittels Warenvorfinanzierung kann nicht nur das Wachstum beschleunigt werden, sondern auch der Nettogewinn bzw. der ROE langfristig erhöht werden.

  • Liquidität: Das Cashflow-Problem kann kurzfristig behoben werden.
  • Wachstum: Die gewonnenen Liquidität kann für das zukünftige Wachstum eingesetzt werden.
  • Stärke: Die Verhandlungsposition gegenüber der Lieferanten wird gestärkt – durch das höhere Skonto können bessere Einkaufspreise sowie Lieferbedingungen verhandelt werden.

Methoden zur Warenvorfinanzierung für Amazon-Händler

1. Eigenkapital vs. Fremdkapital

Bei Finanzierungsformen lässt sich grundsätzlich zwischen Eigen- und Fremdkapital sowie zwischen langfristigen und kurzfristigen Finanzierungsalternativen unterscheiden. Die ideale Finanzierungsform ergibt sich aus dem Finanzierungszweck sowie der Entwicklungsphase des jeweiligen Sellers.

Eigenkapital wird häufig für die ersten Over-Head Ausgaben benötigt, wie beispielsweise dem Sourcing von Artikeln. Um weiter zu wachsen, benötigt das Unternehmen hinreichend viel Kapital, um alle anstehenden Ausgaben zu decken. Wer nicht genügend Eigenkapital aufbringen kann, sollte nach geeigneten Finanzierungsalternativen mittels Fremdkapital umschauen.

2. Bankkredit

Ein Darlehen von der Hausbank scheint auf den ersten Blick der einfachste Weg, wenn es um eine kurzfristige Finanzierung geht. Notwendige Voraussetzungen für die Bankfinanzierung sind häufig eine erfolgreiche Vermarktungshistorie von mindestens drei Monaten sowie mindestens zweihundert verkaufte Einheiten. Oftmals fordern Banken allerdings weitere Sicherheiten, wie beispielsweise die Verpfändung des Geschäftskontos inklusive der Forderungen aus Lieferung und Leistung oder eine persönliche Sicherheit (“Bürgschaft”) des Sellers. Als Amazon-Seller wird man daher häufig als “risikoreich” eingestuft. In den meisten Fällen führt dies zu einer direkten Ablehnung oder aber zu äußerst schlechten Tarifbedingungen für den angefragten Kredit. Hinzu kommen zudem zeitintensive Bearbeitungs- sowie Entscheidungswege seitens der Bank.

3. Warenvorfinanzierung mittels Factoring oder Finetrading

Im Anschluss an ein geliefertes Produkt kann sich mit der Lieferantenrechnung an eine Factoringgesellschaft gewendet werden. Die Gesellschaft schließt anschließend Rahmenverträge sowohl mit dem Verkäufer als auch mit dem Lieferanten, kauft die Lieferantenforderung vom Verkäufer ein und begleicht den Betrag gegenüber dem Lieferanten. Innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels muss der Amazon-Verkäufer schließlich die Schuld gegenüber dem Factor innerhalb des definierten Zahlungsziels begleichen. Durch den Verkauf von offenen Forderungen lässt sich zwar schnell und einfach Liquidität verschaffen und Zahlungsziele überbrücken, allerdings ist diese Finanzierungsform aufgrund der Rahmenverträge häufig unflexibel.

Beim Finetrading hingehen tätigt der Finetrader die Warenbestellung beim Lieferanten auf eigene Rechnung. Geliefert wird die Ware anschließend an den Bestimmort des Sellers. Sobald der Seller die Rechnung freigegeben hat, bezahlt der Finetrader den Lieferanten unter Nutzung von Skonto. Der Seller wiederum erhält vom Finetrader ein verlängertes Zahlungsziel bis zur erwarteten Warenauslieferung. Finetrader stellen diese Funktion allerdings häufig erst ab einem bestimmten Volumen zur Verfügung, welches Seller-Neuanfänger häufig nicht erfüllen können.

4. Warenvorfinanzierung mit fulfin

fulfin ist der führenden Anbieter von maßgeschneiderten Finanzierungslösungen für Onlinehändler und spielt eine wichtige Rolle in der Verbesserung der Liquiditätsversorgung in der E-Commerce Branche. Auf der von fulfin entwickelten Plattform erfolgt der Kreditantrag und Bonitätsprüfung online, einfach und schnell. Das fulfin-Team besteht aus erfahrenen Experten, die über jahrelange Erfahrung in den Bereichen E-Commerce und Unternehmensfinanzierung verfügen. Um die Vorteile einer Warenvorfinanzierung nochmal deutlich zu machen, wird hier erneut das oben beschriebene Praxisbeispiel verwendet:

Die Kosten für die Warenvorfinanzierung setzen sich aus dem Finanzierungszeitraum, dem Wareneinsatz aus der Vorfinanzierung sowie der Zahlungspause vor Rückzahlungsbeginn zusammen. In diesem Beispiel wird von einer einmonatigen Zahlungspause sowie einem Finanzierungszeitraum von sechs Monaten ausgegangen. Der Zinssatz für die Rückzahlung beträgt 0,7%, berechnet an der Summe des Wareneinsatzes aus der Warenvorfinanzierung, für die Länge der Zahlungspause wird ein Zinssatz von 1,225% fällig. So ergibt sich eine Gesamtsumme der Warenvorfinanzierung von 525.49 €.

6 (Monate) * 0,7% * 10,000 (€) + 1 (Monat) * 1.225% * 10,000 (€) = 525.49 €.

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